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Zeitung << 1/2010 << Fortsetzung folgt…


Fortsetzung folgt…
Das zweisprachige Bildungszentrum in Baja

Autoren: Anna Angyalka Lukács, Zoltán Tóth

Wir setzen unsere neue Serie über die zweisprachigen Mittelschulen fort. Nach der Schule in Mezõberény (Februar 2010), haben wir uns entschlossen, das Ungarndeutsche Bildungszentrum (UBZ) in Baja genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese Institution wurde schon früher von der GeMa-Redaktion behandelt, aber wir wollten für diese Serie selbst in die Schule einblicken.

Nach zwei durchschlafenen Stunden Busreise sind wir in unserer Zielstadt angekommen. Jetzt wartete auf uns die erste große Aufgabe; nämlich das Gymnasium zu finden. Es befindet sich ziemlich abgelegen von der Stadt, ist eigentlich eine eigene kleine Welt für sich. Wir hatten wunderschönes Frühlingswetter mit Sonne und einer kleinen Brise, die schon den Duft der ersten Blumen mit sich brachte. So machte es uns nichts aus, durch die Stadt zu wandern. Angekommen fanden wir eine Insel der Ausbildung, wo man Kindergarten, Grundschule, Gymnasium und Wohnheim zusammen findet.
Wir kamen während der ersten Stunde an, so dass die Schule ganz leer war. Niemand auf den Korridoren, kein Geschrei, keine Rumrennerei – fast schon gespenstisch, wie in der leeren Aula das Klopfen der Schuhe widerschallte. Nur ein paar unruhige Geister sammelten sich am Buffet, um einen Kaffe zu trinken. Auffallend wild gekleidet, bunte Haare, Piercings an allen freien Stellen – ja, Toleranz ist einer der Grundwerte des UBZ. Wir warteten… Als dann die Musik erklang, die das Ende der Stunde bedeutete, schlugen die Türen auf und eine ungeduldige und unzählige Schülerwelle strömte aus den Räumen. Endlich Pause! Erst jetzt erwachte die Schule zum Leben.

Das Gymnasium
Das Gymnasium ist ein modern gebautes und ausgestattetes Gebäude. Bunte Gemälde, Photos von ungarndeutscher Kultur und große grüne Pflanzen zaubern eine vertraute Atmosphäre in das Ziegelhaus. Die Lehrräume – meist einfache, weiße Zimmer – sind für kleinere wie auch größere Gruppen gut geeignet. In der zweisprachigen Bildung wird jedoch in kleinen Gruppen gearbeitet, so hat eigentlich jeder Schüler genug Zeit und Raum seine Fähigkeiten zu entfalten. Wir fallen einigen Lehrkräften auf und kommen schließlich in das Büro von Herrn Alfred Manz. Wir haben viele Informationen schon im Voraus mit ihm ausgetauscht, aber wir warteten trotzdem aufgeregt auf ihn. Auf einmal stürmt ein energischer Mann ins Zimmer und nach einem Händedruck sind wir schon in unsere erste Stunde verwiesen. Literatur…

Das Wohnheim
Nach Goethes Hexenküche und Gregor Samsas Schlafzimmer konnten wir nach einem langen Tag voller Stundenbesuche und Interviews auch unsere Unterkünfte beziehen. Die Bewohner des Wohnheimes haben es gut. Die Zimmer sind zwar klein, gerade die vier Betten und ein Schreibtisch finden dort Platz, die offenen Schulräume und die Betreuerzimmer bieten allerdings genug Raum für das Lernen und Hausaufgabenmachen am Nachmittag, wenn die mit Informationen gut gefütterten Köpfchen aus der Schule kommen.
Man hat seine eigene Welt: Dank des mehr oder weniger zugänglichen Internetanschlusses, des Supermarktes und der kleine Kneipe genau gegenüber der Schule müssen die Schüler nicht einmal in die Nähe der Stadt gehen, um durch die Woche zu kommen. Der Pizzabote bietet ihnen auch 10 Prozent Ermäßigung an – voller Komfort, der genutzt werden möchte.

Toleranz und Selbständigkeit
Unser zweiter Tag fing früh im Büro des Direktors Helmut Seiler an. So bekamen wir einen tieferen Einblick in die Philosophie des UBZ, dass Werte wie Toleranz und Selbstständigkeit oberste Priorität haben. Anders als in herkömmlichen ungarischen Schulen wird hier der Schwerpunkt auf die selbstständige Arbeit der Schüler/innen gelegt. Sie haben Referate vorzubereiten und ihre eigenen Handouts dazu zu machen, als kleiner Auftakt für die Hochschule. Diese Herangehensweise fanden wir sehr nützlich, denn wir erleben es auch von Tag zu Tag, dass Studierende nicht mit einer Referatsaufgabe zurecht kommen. Das UBZ bietet also vielerlei Möglichkeiten, sich nicht nur in Sachen Faktenwissen zu entfalten. Kompetenz heißt das Schlüsselwort! Auch im kulturellen Bereich, in Tanzgruppe und Orchester können sich die Schüler kreativ engagieren.
Wir hatten zwei – wortwörtlich – lehrreiche Tage, wo wir sehen konnten, dass die ungarische Bildung doch nicht unbedingt den Bach runter geht, und dass es sich immer lohnt neue Maßstäbe zu setzen. Man muss sich endlich trauen, die Schüler/innen (und Studierenden) zu fördern! Denn egal, wie ein neues Bildungssystem auch aussieht, man muss immer die Basis des Wissens erlernen, um erst später darüber diskutieren zu können.