Startseite | Impressum | Zeitung | Beiheft | Archiv nach Autoren | Archiv nach Rubriken








Zeitung << 2/2008 << Germanistik als Minorfach


Germanistik als Minorfach
Jetzt kommen die Minorstudenten zu Wort

Autorin: Ilona Kiss

Seit das Bologna-System auch in Ungarn funktioniert, ist oft die Rede von BA und MA. Es gibt noch sehr viele ungeklärte Fragen, aber wenn du zu diesem System gehörst, dann hast du auch die Möglichkeit ein Minorfach zu wählen. An fast allen Fakultäten der Universität Szeged kann man unter den Minorfächern wählen. Die Ausnahmen sind die Juristische und die Medizinische Fakultät. Eines der populärsten Minor­fächer der Philosophischen Fakultät ist das Minorfach Germanistik.

Der erste Jahrgang fing im Studienjahr 2007/2008 an. Jetzt gibt es schon zwei Jahrgänge mit etwa 50 Studenten. Mit dieser Zahl sind die Dozenten am Institut für Germanistik zufrieden, weil Germanistik dank dieser Zahl zu den beliebtesten Minorfächern gehört. Wie auch bei anderen Minorfächern muss man hier auch einigen Erwartungen entsprechen. Man braucht eine erhöhte Abiturprüfung in Deutsch oder mindestens eine staatliche Sprachprüfung der Mittelstufe. Dieses „kleine Fach” besteht aus vier Semestern im BA. Der Lehrstoff ist ganz ähnlich wie bei den Germanistikstudenten, die Germanistik als Hauptfach haben. Es gibt drei wichtige Eckpfeiler der Ausbildung: Die Kurse des sprachlichen Moduls beschäftigen sich mit Lese- und Hörverstehen und entwickeln die Fähigkeit von Schreiben und Sprechen. Das sprachwissenschaftliche Modul besteht aus Kursen, die die grammatische und sprachwissenschaftliche Beschreibung der deutschen Sprache enthalten. Die Seminare und Vorlesungen des Moduls für Kultur und Literatur stellen die Möglichkeit, die kulturellen, literarischen, historischen, wirtschaftlichen und politischen Kenntnisse der Studenten in Bezug auf die deutschsprachigen Länder zu erweitern. Der Lehrplan beim Minorfach wurde im Vergleich zum Hauptfach bewusst so gestaltet, dass die Lehrveranstaltungen, die die Sprachkenntnisse und Sprachfähigkeiten entwickeln, ein Übergewicht haben. Die Minorstudenten müssen folglich ein bisschen weniger Wissenschaft betreiben. Mit einem deutschen Minor kann man sich nach dem Bachelor (BA) um einen Studienplatz beim Master (MA) bewerben. Das ist auch der Weg zum Lehrerdiplom.
Aber wie sieht es in der Praxis aus? Sind die Minorstudenten der Germanistik mit ihrem Minorfach zufrieden? Wie ist die Wirklichkeit? Haben sie bekommen, womit sie gerechnet haben? Auf diese und ähnliche Fragen habe ich unter den Minorstudenten Antworten gesucht.

Umfrage unter den Germanistik-Minorstudenten
Auf die Frage, warum sie sich für dieses Minorfach entschieden haben, gaben sie ganz ähnliche Antworten. Die meisten sahen in einer Sprache mehr Chancen für die Zukunft als in einem anderen Fach. Bei denen, die die Sprache schon seit vielen Jahren gelernt hatten, war es keine Frage, was für ein Minorfach sie wählen möchten.
Bei der Zusammenstellung des Lehrplans für die Minorstudenten war ein wichtiger Gesichtspunkt, dass die Lehrveranstaltungen, die die sprachlichen Fähigkeiten verbessern, größeres Gewicht bekommen. Trotz der Bestrebung der Lehrer halten die meisten Studenten die Anzahl der Sprachübungen für zu gering. Einige beanstandeten, dass sich die Lehrveranstaltungen nicht gleichmäßig auf die Semester verteilen. Es hängt aber auch vom jeweiligen Jahrgang ab. Vor der Grundprüfung am Ende des zweiten Semesters haben alle mehr Sprachübungen, danach spielen die wissenschaftlichen Fächer die Hauptrolle. Eine Studentin betonte, dass sie verstanden hat, dass es an der Universität im Gegensatz zum Gymnasium nicht mehr darum geht, die deutsche Sprache zu lernen. Man legt hier größeren Wert auf die wissenschaftliche Annäherung an die Sprache. Sie fügte hinzu, dass es überhaupt kein Problem sei, weil zum Beispiel die linguistischen Seminare und Vorlesungen viel zum Erwerb der richtigen Sprachkenntnisse beitragen können. Obwohl im Stundenplan zwei Sprachübungsseminare pro Semester vorgesehen sind, möchten viele der Befragten mehr praktischen Unterricht. Wäre es aber mit ihrem Hauptfach vereinbar? Es ist sicher nicht leicht, Überschneidungen im Stundenplan zu vermeiden. Besonders wenn man von einer anderen Fakultät kommt: „Ich studiere an der Naturwissenschaftlichen Fakultät und ich konnte um den Zusammenstoß von Seminaren und Vorlesungen noch in keinem Semester herumkommen, jetzt habe ich auch zwei. Dagegen kann man aber nichts machen. Niemand ist schuld daran, weil es sehr viele Fächer an der ganzen Uni gibt und die Abstimmung der Unterrichtszeiten unmöglich ist.” Bei denen, die das Hauptfach an der Philosophischen Fakultät besuchen, bedeutet das kein großes Problem. Wie sie gesagt haben, können sie es in den meisten Fällen lösen.
Viele Probleme können entstehen, wenn man die wichtigen Informationen nicht rechtzeitig erfährt. Ich habe die Frage gestellt, ob die Minorstudenten rechtzeitig Bescheid bekommen, oder nicht. Eine Hälfte der Befragten hatte negative Erfahrungen damit. Sie erklärten, dass sie im Allgemeinen nur Gerüchte hören, die ganz falsch sind. Oder sie bekommen nur zufällig Informationen. Dieses Problem existiert jedoch nicht nur bei den Minorstudenten. Man darf den Schreckensnachrichten nicht glauben, man muss sich an den zuständigen Menschen wenden.

Minorstudenten vs. Hauptstudenten
Negative Unterscheidung bedeutet ein sehr großes Problem innerhalb einer Gemeinschaft. Es kann sich die Frage erheben, ob die Minorstudenten irgendeine Form von Diskriminierung fühlen. Die Befragten haben erzählt, dass die Hauptstudenten Abneigung gegenüber den Minorstudenten zeigten: „Viele von ihnen waren früher entrüstet, warum wir ihnen die Plätze in den Seminaren weggenommen haben und nicht die Lehrveranstaltungen am Nachmittag besucht haben.” Zum Glück waren meine Gesprächspartner schon der Ansicht, dass das bereits der Vergangenheit angehört. Alle Germanistikstudenten studieren ohne Konflikte zusammen. Und das ist gerecht so, weil das sprachliche Niveau nicht davon abhängt, ob man Minorstudent oder Hauptstudent ist. Was die Dozenten betrifft, sind die Befragten sehr zufrieden und nicht nur im Hinblick auf die vielseitige Bildung der Dozenten und Dozentinnen, sondern auch im Hinblick darauf, dass darauf Rücksicht genommen wird, dass die Minorstudenten weniger Lehrveranstaltungen haben als die Hauptstudenten. Einige haben hervorgehoben, dass sie sich in den Seminaren in Germanistik viel besser fühlen, als in den Seminaren im Hauptfach, weil die Dozenten sie kennen und die Stimmung dadurch viel freundlicher ist. Das trägt sehr viel zum Genuss des Seminars bei.

Fazit
Haben sie es vielleicht bereut, dass sie Germanistik als Minorfach gewählt haben? Die Mehrheit der Studenten hielt es für eine gute Entscheidung. Ich habe leider auch einige negative Meinungen angetroffen. Unter den Zukunftsplänen finden wir nicht zu viele Varianten. Die eine Gruppe von den Befragten möchte später als Lehrer arbeiten. Die andere Gruppe glaubt, dass das Lehrerdiplom heutzutage nichts Gutes verspricht, deshalb möchten sie lieber etwas anderes mit dieser Sprache anfangen. Als ideale Möglichkeit tauchte das Dolmetschen auf.
Während der Gespräche hatte ich den Eindruck, dass die Befragten mit dem Germanistikminor zum überwiegenden Teil zufrieden sind. Es gibt natürlich Hindernisse, die man bewältigen muss, aber das macht einen nur stärker. Wir müssen berücksichtigen, dass dieses ganze System noch nicht völlig ausgereift ist. Deshalb treten noch einige Probleme und Komplikationen auf, aber das Institut versucht alles schnell zu lösen und zu verbessern.
Der Institutsleiter Géza Horváth betonte, dass nicht nur die Studenten, sondern auch das Institut jetzt sieht, wie dieses System in der Wirklichkeit funktioniert. Er erzählte, wie viel Arbeit hinter dem Minorfach steht. Es war nicht leicht, den Stundenplan so auszuarbeiten, dass ein Student in vier Semestern und mit 50 Kreditpunkten ungefähr so viele Kenntnisse bekommt wie ein Hauptstudent. Nach seiner Meinung haben sie alles aus diesen 50 Kreditpunkten herausgeholt. Alles Weitere hängt von den Studenten ab.