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Zeitung << 1/2006 << Von der Redaktion zur Chefredakteurin


Von der Redaktion zur Chefredakteurin
Eine ehemalige GeMa-Mitarbeiterin als Chefin einer deutschsprachigen Zeitung

Autor: Markus Kóth

Viktória Molnár schloss im Sommersemester 2005 Ihr Studium mit einer Diplomarbeit über das Nationalitätenproblem der Österreich-Ungarischen Monarchie anhand Joseph Roths Radetzkymarsch ab. Sie arbeitete seit einem Jahr bei einer Firma als deutschsprachige Sachbearbeiterin, als sie das Ersuchen bekam, bei einer deutschsprachigen Zeitung, dem Pavillon, das Amt des Chefredakteurs zu übernehmen. Sie fand die Arbeit besonders attraktiv, da ihr Interesse für die in Ungarn lebenden Minderheiten während der Diplomarbeit geweckt wurde. Der Chefredakteur des GeMa bat die Chefredakteurin des Pavillons zu einem Gespräch.

Wie bist Du zum Pavillon gekommen? Wie wird man Chefredakteurin?
Im August 2005 traf ich zufällig Dr. Árpád Schindler, einen Bekannten, den Vorsitzenden der Deutschen Minderheitsverwaltung in Kiskunhalas. Er, als verantwortlicher Herausgeber des Pavillons, suchte eben eine neue Chefredakteurin für die Zeitung und dachte an mich. Er wusste eigentlich nur, dass ich gut Deutsch spreche und er brauchte jemanden, der geeignete Deutschkenntnisse für die Arbeit des Chefredakteurs bei einer deutschsprachigen Zeitung hat. Er hatte damals vor, mich anzurufen, als wir uns getroffen hatten. Ehrlich gesagt, die Frage, wie man Chefredakteurin wird, kann ich nicht beantworten. Ich begleite deutsche Delegationen seit zehn Jahren in der Stadt, man kennt mich und weiß also, dass ich Deutsch spreche. Vielleicht ist es das Geheimnis, immer aktiv zu sein.

Hast Du etwas von dem, was Du im GeMa-Seminar gelernt hast, anwenden können?
Ich schrieb auch schon vor dem GeMa, aber auf ungarisch. Aber das ist etwas anderes. Ich bin der Meinung, auf Deutsch zu schreiben ist immer schwieriger, da man sich in einer Fremdsprache – egal, wie gut sie gesprochen wird - immer schwieriger als in der Muttersprache ausdrücken kann. Man bemerkt die stilistischen Fehler oft nicht und macht selbstverständlich auch öfters grammatische und lexikalische Fehler. Aber der Spruch „Übung macht den Meister“ ist auch hier wahr. Im GeMa-Seminar hat man die Möglichkeit, das Schreiben zu üben, was ich für sehr wichtig halte.

Du studierst auch, wie ich gehört habe, erfolgreich Publizistik und Kommunikationswissenschaften. In welcher Form kannst Du die in diesem Studium erworbenen Kenntnisse in die Arbeit beim Pavillon einbringen?
Ich bin im letzten Semester im Fach Kommunikation. Im ersten Studienjahr erlernte ich die Charakteristiken der Pressegattungen und übte im Rahmen der Redaktionspraktika das Schreiben in unterschiedlichen Gattungen. Seitdem beschäftige ich mich mit anderen Bereichen der Kommunikation, aber die im ersten Jahr erlernten Kenntnisse kann ich bei den Redaktionsarbeiten des Pavillons jedenfalls sehr gut verwenden.

Der Pavillon ist eine sehr gut gemachte und informative Monatszeitung. Woher kommen die Artikel? Was macht ein Chefredakteur eigentlich?
Der Pavillon arbeitet mit mehreren Redaktionsmitgliedern. Ein Teil davon, ca. 3-4 Leute, schreibt regelmäßig. Außerdem halten wir den Kontakt mit mehreren Leuten im Komitat Bács-Kiskun bzw. aus anderen Komitaten, die in deutschsprachigen Minderheitenorganisationen aktiv sind. Wenn sie Veranstaltungen haben, bekommen wir darüber einen Bericht. Die Aufgabe der Chefredakteurin ist es, die Zeitung zu planen, dann die Artikel rechtzeitig einzusammeln, durchzulesen und evtl. zu kürzen oder zu korrigieren, die Korrektur bzw. Endkorrektur zu organisieren und die Redaktionsarbeiten vor dem Druck zu überwachen.

An welches Publikum richtet sich der Pavillon?
In Kiskunhalas gibt es einen Internationalen Deutschsprachigen Verein, der einen Teil der Pavillonleser ausmacht. Es sind meistens Rentner oder Unternehmer im mittleren Alter. Die Zeitung wird auch an unterschiedliche Organisationen, die in Ungarn etwas mit dem Deutschtum zu tun haben, bzw. an Privatpersonen und nach Kronach, an die deutsche Partnerstadt von Kiskunhalas, gesendet.

In welche Richtung möchtest Du den Pavillon in Zukunft lenken? Bleibt er in der jetzigen Form bestehen, oder sind Änderungen, Erweiterungen geplant?
Der Pavillon hat derzeit vor allem die Rolle, den Vereinsmitgliedern bzw. den in dem Raum lebenden oder durchreisenden Deutschen Informationen zu vermitteln. Ich meine, diese Richtung soll man beibehalten. Was die Themen betrifft, haben wir – ich meine die ganze Redaktion und die Vereinsmitglieder – immer neue Ideen. Möglicherweise versuchen wir sie auch zu realisieren. Eine Erweiterung haben wir nicht vor, da die Zeitung ca. vor einem Jahr auf zwölf Seiten erweitert wurde. Die jetzige Form besteht auch ca. seit einem Jahr, aber es mag sein, dass sie heuer wieder verändert wird. Wir haben weiterhin vor, unsere Homepage zu modernisieren. Wir besprechen unsere Vorschläge immer mit dem Herausgeber und entscheiden gemeinsam, ob sie umgesetzt werden sollen.

Zuletzt vielleicht noch ein Rat an angehende Journalisten. Was ist wichtig? Was soll man studieren, wenn man journalistisch tätig werden möchte?
Ich kann keinen allgemeinen Rat geben. Ich bin der Meinung, in dem Fall ist die Praxis viel wichtiger als das Studium. Man kann ja während der Arbeit in einer Redaktion alles erlernen, wenn man fürs Journalismus Feuer und Flamme ist. Das Studium ist bei uns leider nicht genug praxisorientiert. Die Studenten bekommen unglaublich viele unnötige Informationen, und wenn sie sich in einer Redaktion wiederfinden, wissen sie oft nicht, worum es geht. Das Fach Kommunikation in Szeged gibt jedoch sehr gute Fachkenntnisse, aber am besten ist es, wenn man sie in den letzten Studienjahren auch mit der Arbeit in einer Redaktion ergänzt.


Es war ein sonniger Nachmittag, als...
Ich könnte meine Geschichte mit diesen Worten beginnen. Aber ich mache es doch ein bisschen anders, obwohl ich schreibe, bin ich doch keine Märchenschriftstellerin! Also lieber gleich in medias res. Es gibt in einer kleinen südungarischen Stadt, in Kiskunhalas, eine deutschsprachige Monatszeitung, den Pavillon. Er ist einer Vereinszeitung ähnlich, da in der Stadt vor mehreren Jahren ein Internationaler Deutschsprachiger Verein (IDV) gegründet wurde, dessen Sprachrohr der Pavillon darstellt. Jetzt könnte mir eigentlich die Frage gestellt werden: Und?!? Zumindest ich würde sie stellen, da eine Vereinszeitung, obwohl deutschsprachig, für keine(n) der Studenten interessant wäre. Steht ja mit dem fröhlichen Studentenleben in Szeged gar nicht im Zusammenhang… Oder doch?
Mein Name ist Viktória Molnár. 2005 habe ich das Studium der Germanistik erfolgreich absolviert. Derzeit studiere ich noch Kommunikation in Szeged. Und warum ich für Euch interessant sein kann? Es war ein sonniger Nachmittag – noch im August 2005-, als ich Dr. Árpád Schindler, einen Bekannten, den Vorsitzenden der Deutschen Minderheitenverwaltung in Kiskunhalas traf. Er, als verantwortlicher Herausgeber des Pavillons, suchte eben eine neue Chefredakteurin für die Zeitung und dachte an mich. Chefredakteurin bei einer deutschsprachigen Zeitung?!? Eine große Herausforderung, aber nicht unmöglich. Ich kann es doch schaffen! Also habe ich „ja“ gesagt. Die ersten Schwierigkeiten im Oktober konnte ich mit Hilfe von Markus Kóth, unserem Österreich Lektor lösen. Seitdem wird die Zeitung Monat für Monat niveauvoller. Wir sind stolz darauf! Vielleicht scheinen die Themen doch nicht so interessant zu sein, hier geht es nämlich nicht um Mode, Musik, Sport, usw. Die Leser sind ja auch keine Teenager mehr… Wir beschäftigen uns mit den Aktivitäten des Vereins, die Mitglieder sind ja sehr aktiv. Sie organisieren ständig Veranstaltungen oder sammeln Spenden für Bedürftige. Dann haben wir noch Witze, Rezepte und Veranstaltungsempfehlungen bzw. aktuelle Themen aus der Umgebung, die irgendwie mit dem Deutschtum im Zusammenhang stehen. Es ist gar nicht einfach, immer die richtigen Themen zu finden und dann die Artikel im richtigen Stil zu schreiben. Aber die viele schlechte und gute Kritik, die ich bisher bekam, treibt mich doch weiter. Und das ist großartig! Es ist ja ein tolles Gefühl, jeden Monat ein Produkt in die Hand zu nehmen, welches das Ergebnis einer guten, erfolgreichen Zusammenarbeit ist!
Ich bin stolz darauf, dass meine Wurzeln zurück zur Germanistik in Szeged führen. Ich wirkte auch bei den ersten Nummern des GeMa mit. Und wer hätte das damals gedacht?!? Ich habe vielleicht Glück, aber ich bin ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt! Lasst es also nicht aus! Ihr habt ja auch die Möglichkeit zu schreiben (sogar auf Deutsch)! Ihr habt ja ein GeMa! Ich habe auch da begonnen…

Viktória Molnár