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Zeitung << 1/2006 << Die Früchte der Arbeit einer vielseitigen Dozentin


Die Früchte der Arbeit einer vielseitigen Dozentin
Wissenschaftliche Auszeichnung von Univ.-Doz. Dr. Márta Baróti-Gaál

Autorin: Bernadett Farkas

„Auch was vorbei ist, beginnt. Nichts ist für immer verloren.” /Erika Mitterer/

Univ.-Dozentin Dr. Márta Baróti-Gaál schuf wieder etwas Bedeutendes in ihrer wissenschaftlichen Karriere und wird hoffentlich noch sehr lange viel Wertvolles für das wissenschaftliche Leben der Universität Szeged und natürlich auch für die nachkommenden Generationen von Germanisten zustande bringen. Sie arbeitet schon seit mehreren Jahrzehnten an der Universität Szeged bzw. an den beiden Lehrstühlen für Literatur, aber das ist nur ein Teil der Bereiche, mit denen sie sich beschäftigt. Ich führte Anfang April 2006 ein kurzes Gespräch mit ihr, und sie war bereit, mir Einiges über ihre Tätigkeit bzw. Errungenschaften im Sommersemester 2006 an und außerhalb der Universität zu erzählen.
Als eines der wichtigsten Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit erwähnte unsere Dozentin jene Auszeichnung, welche sie als Ehrung ihrer langjährigen wissenschaftsorganisatorischen Arbeit am 2. Februar 2006 bekommen hatte. Es ist die Silbermedaille der SZAB (Szegeder Kommission der Ungarischen Akademie der Wissenschaften). Frau Baróti hat eine besondere Rolle in der Abteilung für moderne Philologie, da sie mit anderen Kollegen deren Gründungsmitglied ist. Auf ihre Initiative hatte man die Kommission für moderne Philologie in Szeged ins Leben gerufen. Sie ist seit 1992 gewählte Vorsitzende dieser philologischen Kommission. Die Mitglieder haben eine ausdrücklich vielfältige Aufgabe. Unter anderem beschäftigen sie sich mit der Organisation verschiedener Vorträge, Diskussionen, Konferenzen (auch im Ausland) und anderer wissenschaftlicher Tätigkeiten im Bereich der modernen Philologie. Die Tätigkeit dieser Kommission beschränkt sich nicht nur auf Literatur. Auch die Sprachwissenschaft (neben Deutsch auch andere Sprachen) spielt eine wichtige Rolle.
Frau Baróti erzählte auch von ihrem letzten Aufenthalt in Wien. Sie nahm vom 27. bis zum 30. März 2006 an einer Konferenz in der österreichischen Hauptstadt teil. Die Tagung wurde deshalb dieses Jahr organisiert, weil die berühmte österreichische Epikerin, Lyrikerin und Dramatikerin Erika Mitterer vor 100 Jahren geboren wurde (1906-2001). Das Erika Mitterer Symposion trug den Titel „Das Jahrhundert der Ideologien im Spiegel der österreichischen Literatur“. Organisator war die Österreichische Gesellschaft für Literatur. Die Gäste der Literaturtagung waren von dem Präsidenten des Nationalrats, Univ.-Prof. Dr. Andreas Kohl, eingeladen worden. Das Ziel der Tagung war eine „Spurensuche“ in Beziehung zu Mitterer und ihre Rolle in der österreichischen Literaturgeschichte. Die Dozentin äußerte sich dahingehend, dass sie mit vielen interessanten Erfahrungen und positiven Eindrücken von der Literaturkonferenz heimkehrte.
Das große Interesse von Márta Baróti Gaál für das Lebenswerk von Erika Mitterer zeigt sich auch durch ihre Studie über Mitterers Roman „Tauschzentrale“. Sie interpretierte mit den Szegeder Germanistikstudenten dieses Werk auch im Rahmen eines Seminars. Die Aktualität des Romans besteht darin, dass dieser die revolutionären Geschehnisse in Ungarn 1956 reflektiert. Wir feiern 2006 den 50. Jahrestag der Revolution, die damals nicht nur Ungarn betraf, sondern auch einen bedeutenden Teil Europas, darunter auch Österreich. Der im Jahre 1958 geschriebene Roman stellt die Auswirkungen der Revolution durch die Probleme eines Gymnasiasten dar. Die Reaktionen der Bekannten und Verwandten dieses Burschen sind auch nicht weniger interessant. Der Schüler reißt von zu Hause aus und geht nach Budapest, um an der Revolution teilzunehmen. Am Ende der Geschichte wird sein Schicksal irgendwie gelöst, aber in seinem Leben und im Leben von vielen Menschen entsteht ein Bruch, der nie richtig geschlossen werden kann.
Die Dozentin arbeitet außerdem an der ungarischen Übersetzung dieses Romans. Sie sagte, dass es eine wirklich sehr schwere, aber zugleich natürlich auch eine sehr interessante Aufgabe sei, und am schwersten könne man vielleicht den Titel ins Ungarische übersetzen. Unser Institutsleiter Dr. Géza Horváth, der selbst auch Übersetzer ist, hat ihr – wie mir Frau Baróti mitteilte – mit vielen nützlichen Ratschlägen geholfen. Als ich im April mit Frau Baróti sprach, war sie ungefähr mit der Hälfte der Übersetzung fertig. Sie äußerte sich, dass das Buch höchstwahrscheinlich Ende 2006 beim Verlag Gondolat erscheinen werde. Sie empfiehlt allerdings allen Germanisten den Mitterer-Roman zu lesen und zwar nicht nur denjenigen, die sich für die Revolution von 1956 interessieren. Man kann daraus viel lernen, und der Roman ist wirklich ein Meisterwerk der österreichischen Literatur.
Als ein nächster zukünftiger Plan möchte Frau Baróti das Werk „Ins Schloss“ von der Autorin Marianne Gruber, die auch die Literaturtagung organisiert hatte, ins Ungarische übersetzen. Wir hoffen, dass Dr. Márta Baróti-Gaál noch viele Jahre an unserer Universität lehren und ihre wissenschaftliche Arbeit bzw. ihre Tätigkeit als Übersetzerin fortsetzen wird, und dass wir darüber auch berichten können.